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Untersuchung der PCB-Belastung der Luft in Innenräumen

(Laufzeit: 01.08.2003 – 31.03.2004)

PCB GaschromatographPolychlorierte Biphenyle (PCB) wurden bis etwa Mitte der 1970er-Jahre wegen ihrer physikalischen und chemischen Eigenschaften – sie sind beispielsweise dauerelastisch und schützen vor Flammen – häufig bei der Herstellung von Farben, Lacken und Dichtungsmassen verwendet. Seit 1989 sind sie in Deutschland verboten.

Die Anwendung PCB-haltiger Baumaterialien in der Vergangenheit kann auch heute noch in den betroffenen Gebäuden zu erhöhten PCB-Konzentrationen in der Raumluft führen. Um festzustellen, ob eine Gesundheitsgefährdung der Raumnutzerinnen und Raumnutzer besteht, werden PCB-Messungen vorgenommen. Die Ergebnisse dieser Messungen helfen bei der Entscheidung, ob und in welchem Umfang ein betroffenes Gebäude zu sanieren ist.

Die genaue Bestimmung der Gesundheitsgefährdung durch PCB ist sehr aufwändig, da es sich bei den PCB um eine Stoffgruppe handelt, die über 200 Einzelverbindungen umfasst und in Form von unterschiedlich zusammengesetzten PCB-Gemischen zur technischen Anwendung kam. Bei der Bewertung der Gesundheitsgefährdung ist außerdem zu berücksichtigen, dass die PCB-Einzelverbindungen unterschiedlich flüchtig sind und dass zwölf Verbindungen, die coplanaren PCB, ähnlich wie das hochgiftige Dioxin wirken.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte 1998 ein Verfahren, mit dem – in Analogie zu den Dioxinen und Furanen – unter Verwendung von Toxizitätsäquivalenten (TEQ) die Gesundheitsgefährdung durch die zwölf coplanaren PCB gemeinsam bewertet werden kann. Zur Berechnung des TEQ-Wertes werden Ergebnisse von Einzelmessungen der zwölf coplanaren PCB benötigt. Diese Analyse ist aufwändig und kostspielig.

Die deutsche PCB-Bewertung, die Grundlage der DIBt-PCB-Richtlinie Deutsches Institut für Bautechnik (1995): Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile (PCB-Richtlinie), DIBt-Mitteilungen 2/1995, S. 50–59 ist, gibt bisher bei der Ermittlung der PCB-Belastung der Raumluft die analytische Bestimmung von sechs PCB vor (Indikator-PCB nach LAGABund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall ), zu denen allerdings nicht die coplanaren PCB gehören. Aus deren Summenkonzentration wird näherungsweise der PCB-Gesamtgehalt berechnet.

Ziel eines Forschungsprojekts des Umweltbundesamtes war es herauszufinden, wie stark unterschiedliche PCB-Quellen die Raumluft mit coplanaren PCB belasten und ob es möglich ist, auch mit geringerem analytischen Aufwand, als das WHO-Verfahren es vorsieht, die Gesundheitsgefährdung durch coplanare PCB zu bewerten.

In einer systematischen Untersuchung zur Raumbelastung durch PCB wurden 56 Raumluftproben aus 17 verschiedenen Gebäuden mit unterschiedlichen bekannten PCB-Quellen untersucht. Es wurden zahlreiche Einzelverbindungen analysiert. Mit den Konzentrationen der sechs Indikator-PCB wurde der PCB-Gesamtgehalt gemäß der DIBt-PCB-Richtlinie berechnet. Die Konzentrationen der zwölf coplanaren PCB dienten der vollständigen Ermittlung des TEQ-Wertes nach dem WHO-Verfahren.

Die Auswertung der Ergebnisse zeigt, dass bei gleichem PCB-Gesamtgehalt der Innenraumluft Quellen mit hochchlorierten PCB deutlich mehr coplanare PCB abgeben und somit höhere TEQ-Werte ergeben als solche mit niedrigchlorierten PCB. Daraus kann man schließen, dass Baumaterialien, die hochchlorierte PCB enthalten, ein höheres Gesundheitsrisiko bergen können. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass die Gesundheitsgefährdung bei einer Quelle mit niedrigchlorierten PCB mit einem relativ zum PCB-Gesamtgehalt geringen Anteil an coplanaren PCB geringer sein wird.

Auf Grundlage der ermittelten Daten wurde außerdem geprüft, ob eine – im Vergleich zur vollständigen analytischen Bestimmung sämtlicher coplanarer PCB wie bei der WHO-Vorgehensweise – vereinfachte Berechnung des TEQ-Wertes für die Raumluft mit Hilfe bestimmter PCB-Einzelverbindungen möglich ist. Hier konnte mit dem coplanaren PCB 118 eine „Leitsubstanz“ gefunden werden, aus der direkt ein TEQ-Wert abgeleitet werden kann. Unabhängig von der Zusammensetzung des PCB-Gemisches und des PCB-Gesamtgehalts zeigt die Konzentration des PCB 118 einen engen Zusammenhang mit dem für die Raumlufthygiene relevanten TEQ-Wert.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts zeigen, dass mit nur leicht erhöhtem Messaufwand – zusätzlich zu den sechs Indikator-PCB ist nur die Bestimmung der Konzentration von PCB 118 erforderlich – das Gesundheitsrisiko von PCB-Emissionen besser beurteilt werden kann. Das spart deutlich Analysenkosten.

 

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