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Gesundheitliche Auswirkungen des Klimawandels
Nicht-übertragbare Krankheiten

Lufthygienischer Wirkungskomplex
Tierische Allergene

 

Birkenwäldchen © Verena N. / www.pixelio.de 64193 Eichen-Prozessionsspinner - Thaumetopoea processionea © Andreas März / www.flickr.com 7357186140 Feinstaub: Energy Factory II © Marcel Oosterwijk / www.flickr.com 3488106653

 

Natürliche Luftbeimengungen

Eichen-Prozessionsspinner - Thaumetopoea processionea © Andreas März / www.flickr.com 7357186140     Tierische Allergene

Einige Schmetterlingsarten, wie der Goldafter und die Prozessionsspinner, besitzen für Menschen und andere Tiere ein hohes allergenes Potenzial. Insbesondere der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist aktuell aufgrund seines gehäuften Auftretens und Gefährdungspotenzials für die menschliche Gesundheit in den Fokus von Wissenschaft, Behörden und Öffentlichkeit gerückt. Die Eichenprozessionsspinner sind Schmetterlinge (Nachtfalter), die ab dem dritten (1) Larvenstadium (Raupe) Brennhaare entwickeln. Diese enthalten ein Nesselgift und können bei Kontakt einen juckenden Hautausschlag (Raupendermatitis) sowie Augenreizungen oder beim Einatmen zum Teil heftige Atemwegsreaktionen auslösen.

Prozession: Thaumetopoea pityocampa / procesionaria del pino © José María Escolano / www.flickr.com 5584599565

Prozession von Pinienprozessionsspinnern

Die Brennhaare sind so klein und leicht, dass sie auch durch Wind/Luftbewegungen über ein größeres Gebiet verteilt werden und dadurch selbst bei Menschen zu allergischen Reaktionen führen können, die keinen direkten Kontakt mit den Raupen hatten. Beachtet werden muss, dass die Brennhaare der Raupen auch bei der Häutung der Tiere in die Umwelt abgeben werden, sodass von den in den Raupennestern befindlichen Brennhaaren ein hohes gesundheitliches Risiko ausgeht. Die Brennhare der Raupenhüllen bleiben über mehrere Jahre hoch allergen (1).

Nicht nur der Eichenprozessionsspinner besitzt nesselgiftartige Brennhaare. Verwandte Raupenarten, wie der Kiefern- oder Pinienprozessionsspinner, sowie andere Raupenarten wie der Schwammspinner, Schlehenspinner und der Wollafter besitzen ebenfalls Brennhaare, die ähnlich starke allergische Reaktionen beim Menschen auslösen können (2).

Als Wärme liebende Art bevorzugt der Eichenprozessionsspinner freistehende, besonnte Einzelbäume. Der Schädling ist daher vermehrt an Waldrändern und lichten Eichenbeständen vorzufinden, tritt aber auch im urbanen Bereich u. a. in Parks, Gärten, Sport- und Campingplätzen, Freibädern und Rastplätzen auf (3).

Bereits eingetretene Auswirkungen

Verbreitung des Eichenprozessionsspinners
Verbreitung des Eichenprozessionsspinners in den
Waldgebieten Deutschlands von 2007 bis 2011.
Angaben von Waldschutz-Dienststellen der Bundesländer.
Darstellung nach Landkreisen in denen mindestens einmal
Befall gemeldet wurde.
Quelle: JKI 2012

Seit dem extrem heißen und trockenem Sommer 2003 befindet sich der Eichenprozessionsspinner in einer anhaltenden Vermehrungs- und Ausbreitungspase (1). Die Karte zeigt die Regionen in Deutschland, in denen die zuständigen Behörden zwischen 2007 und 2011 einen Befall der Eichenbestände durch den Eichenprozessionsspinner erhoben haben.

Die Einfärbung zeigt, dass in den einzelnen Jahren Befälle in unterschiedlichen Regionen gemeldet wurden. Sie gibt einen Hinweis auf die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners in Deutschland und Ausbreitung in bislang noch nicht befallene Gebiete. Jedoch zeichnet die Karte kein vollständiges Abbild über den tatsächlich möglichen Befall, da es bislang kein bundesweites Überwachungssystem für den Eichenprozessionsspinner gibt. Damit könnten theoretisch auch nicht farblich gekennzeichnete Landkreise vom Eichenprozessionsspinner befallen sein.

Durch Bekämpfungsmaßnahmen kann in einem Jahr nach dem Bekanntwerden des Befalls die Population des Schädlings in einer vorher befallenen Region auch wieder abgenommen haben. Die farbliche Darstellung ist notwendig, um aufzuzeigen, dass in diesen Gebieten zumindest noch ein potenzielles gesundheitliches Risiko durch Brennhaare besteht, die auch noch Jahre nach einer erfolgreichen Bekämpfung der Raupe über z.B. alte Gespinstnester in die Luft verfrachtet und dadurch zu allergischen Reaktionen führen können.

Zu erwartende Auswirkungen

Die Aus- und Verbreitung von Prozessionsspinnerarten (z. B. des Eichenprozessionsspinners) in Deutschland wird als ein bereits eingetretener Effekt der Klimaerwärmung diskutiert. Bei einer weiter ansteigenden Lufttemperatur können sie sich auch in Gebiete ausbreiten, die bisher zu kalt waren.

In Trockenjahren neigt der Eichenprozessionsspinner besonders zu Massenvermehrungen (3). Sollte es zukünftig in Sommermonaten vermehrt Hitzeperioden mit wenig Niederschlag in Deutschland geben, könnte auch dies zu einer stärkeren Vermehrung des Eichenprozessionsspinners in Deutschland führen.

Ein Effekt der Klimaerwärmung ist, dass eingeschleppte Wärme liebende Organismen, die ein potenzielles gesundheitliches Risiko für den Menschen darstellen, bei milderen Temperaturen überwintern und sich dauerhaft ansiedeln könnten (1).

(Anpassungs-)Maßnahmen

Ausgewählte Websites

Ausgewählte Dokumente

Auswahl passender RKI-/UBA-Handlungsfelder und Ziele

Handlungsfeld 1:
Aufbau eines integrierten Gesundheits- und Umweltmonitoringsystems

 

Handlungsfeld 2:
Klimawandelbezogene Gesundheitsforschung -
2.4 Allergien und akute Atemwegserkrankungen

Ziel: Gesundheits- und Umweltmonitoring zusammenführen

 

Ziel: Methoden ausbauen und entwickeln

Ziel: Vektorvermittelte Krankheitserreger,  allergene Pflanzen und gesundheitsgefährdende Tiere beobachten und überwachen

 

Ziel: Epidemiologische Forschung verbessern

Ziel: Erfassung von Indikatoren für klimawandelassoziierte gesundheitliche Studien

 

Ziel: Vorhersage- und Prognosemodelle entwickeln

 

Handlungsfeld 3:
Prävention und Risikokommunikation

 

Handlungsfeld 4:
Gesundheitliche Versorgung

Ziel: Evaluierung bestehender Maßnahmen durchführen und verstetigen

 

Ziel: Bestehende Versorgungsangebote anpassen

Ziel: Zielgruppenspezifische thematische Aufklärung

 

Ziel: Optimale Bedingungen gewährleisten

 

Handlungsfeld 5:
Aus-, Fort- und Weiterbildung

 

Handlungsfeld 6:
Koordination und Kooperation

Ziel: Schulausbildung verbessern

 

Ziel: Kooperationen zwischen Bund und Ländern etablieren

Ziel: Durch berufliche Weiter- und Fortbildung aufklären

 

Ziel: Vernetzung der Behörden fördern

   

Ziel: Kooperation auf internationaler Ebene etablieren

   

Ziel: Kommunikation und Vernetzung zwischen
beteiligten Akteuren verbessern

Hierbei handelt es sich um eine Auswahl von Handlungsfeldern und Zielen, die zu dieser Thematik passen. Für eine vollständige Übersicht über die vom Umweltbundesamt und Robert Koch-Institut identifizierten Handlungsfelder lesen Sie unser Arbeitsdokument "Klimawandel und Gesundheit" oder suchen Sie in unserer Erhebungsübersicht die bisher erhobenen Aktivitäten und Maßnahmen zu tierischen Allergenen im Kontext von Klimawandel und Gesundheit.

 

 

 

Literaturnachweise

1 Wulf, Alfred: Über die Zunahme thermophiler Schadorganismen in den Wäldern – Umbaupläne müssen dies berücksichtigen. In: Lozán, José L.; Graßl, Hartmut; et. al.: Warnsignal Klima: Gesundheitsrisiken. Gefahren für Pflanzen, Tiere und Menschen. Hamburg 2008.

2 Umweltbundesamt (Hrsg.): Klimawandel und Gesundheit. Welche Probleme verursachen Wärme liebende Schadorganismen? Abschlussbericht. Dessau-Roßlau 2010. S. 19-21.

3 Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz; Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Der Eichenprozessionsspinner. Eine Gefahr für Menschen und Eichen. Berlin 2011.

Bildquellenangaben (in der Erscheinungsreihenfolge):

Birken: Birkenwäldchen © Verena N. / www.pixelio.de 64193
EPS mit Blatt: Eichen-Prozessionsspinner - Thaumetopoea processionea © Andreas März / www.flickr.com 7357186140
Feinstaub: Energy Factory II © Marcel Oosterwijk / www.flickr.com 3488106653
Prozession: Thaumetopoea pityocampa / procesionaria del pino © José María Escolano / www.flickr.com 5584599565
Karte: Verbreitung des Eichenprozessionsspinners © JKI 2012

Umwelteinflüsse

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