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Multizentrische Studien zum MCS-Syndrom (Multiple Chemische Sensitivität)

Beim MCS-Syndrom handelt es sich um gesundheitliche Beschwerden, die vor allem von den Betroffenen mit Umweltchemikalien und Umweltfaktoren assoziiert werden. Das Beschwerdebild ist bisher unzureichend definiert und wissenschaftlich akzeptierte Diagnosekriterien fehlen.

Da das MCS-Syndrom zunehmende öffentliche und politische Aufmerksamkeit erfahren hat, fördert das Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit (APUG) drei Projekte, um Erkenntnisse zu Ursachen, charakteristischen Beschwerden, PathomechanismenPathomechanismen: Mechanismen der Entstehung und Entwicklung von Krankheiten und Verlaufsformen zu gewinnen:

Die als MCS bezeichneten Beschwerden sind eine Ausprägung einer Vielzahl ähnlicher Beschwerdekomplexe, die ebenfalls auf Umwelteinflüsse (Amalgam, Holzschutzmittel, elektromagnetische Felder, etc.) zurückgeführt werden und als „Idiopathic Environmental Intolerance“ (IEI), zu deutsch: idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeiten, bezeichnet werden.

Multizentrische MCS-Studie Teil I

Untersuchung zur Aufklärung der Ursachen des MCS-Syndroms bzw. des IEI-Syndroms unter besonderer Berücksichtigung des Beitrages von Umweltchemikalien

(Laufzeit: 01.02.1999 – 30.06.2001)

Unter Leitung des Robert Koch-Instituts (RKI) beteiligten sich an der ersten multizentrischen MCS-Studie sechs umweltmedizinische Zentren (Aachen, Berlin, Bredstedt, Freiburg, Gießen, München), die sich zu einem Forschungsverbund etablierten, das Erhebungsinstrumentarium abzustimmen und einen Kriterienkatalog für die Falldefinition zu erarbeiteten.

Die Stichprobe umfasst 234 Patienten aus dem Jahr 2000 (Basisstichprobe). Die Patientenzahl blieb hinter den Erwartungen zurück. Sie wurde daher in der Multizentrischen MCS-Studie Teil II aufgestockt.

Für die Charakterisierung der gesundheitlichen Störungen wurden neben umweltmedizinischen und laborklinischen Untersuchungen umfangreiche Fragebogenerhebungen unter Einbeziehung psychologisch-psychosomatischer Aspekte durchgeführt. Um der Hypothese neurogener Entstehungsmechanismen nachzugehen, wurden an einigen Patienten olfaktometrische Untersuchungen (Riechtests, olfaktorisch evozierte Potenziale) durchgeführt. Die Fragen nach den Ursachen von MCS und dem charakteristischen Beschwerdebild konnten nicht abschließend beantwortet werden.

Multizentrische MCS-Studie Teil II (Folgevorhaben)

Studie zum Verlauf und zur Prognose des MCS-Syndroms - Erweiterung der Basisstichprobe und Nachuntersuchung

(Laufzeit: 01.08.2001 – 31.05.2004)

Da bisher über den Langzeitverlauf der als MCS bezeichneten Beschwerden kaum etwas bekannt ist, wurde aufbauend auf den Ergebnissen der Multizentrischen MCS-Studie I eine Nachbefragung zur Entwicklung der Symptomatik in Verbindung mit den von den Patienten angegebenen Expositionsbedingungen (attributierten Umweltfaktoren), zur Inanspruchnahme von therapeutischen Interventionen und sekundärpräventiven Maßnahmen sowie zu sozialmedizinischen Aspekten durchgeführt.

An diesem Projekt beteiligt sich der gleiche Forschungsverbund wie in der MCS-Studie Teil II (zusammengesetzt aus umweltmedizinischen Zentren in Aachen, Berlin, Bredstedt, München und Gießen, ohne Freiburg). Das Studienzentrum befindet sich am RKI.

An der Nachbefragung beteiligten sich 184 Patienten, das sind 83% der Patienten, die an der MCS-I-Studie teilgenommen haben. Die Basisstichprobe konnte mit nur 54 Patienten, und damit nicht zufriedenstellend, aufgestockt werden. (siehe MCS-Studie Teil I). In die Nachbefragung konnten 184 Patienten einbezogen werden.

Untersuchungen zur Suszeptibilität: Empfindlichkeit, Reizbarkeit bei MCS

(Laufzeit: 01.01.2001 – 30.09.2003)

Die vermutete besondere Empfindlichkeit von MCS-Patienten wird gegenwärtig oftmals mit genetisch determinierten Enzymvarietäten des Fremdstoff-MetabolismusMetabolismus: Umwandlung, Stoffwechsel in Zusammenhang gebracht. Obwohl hierzu keine verlässlichen wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen, werden inzwischen bei umweltmedizinischen Patienten häufig derartige GenotypisierungenGenotypisierung: Bestimmung der Gesamtheit aller Erbanlagen eines Organismus durch DANN-Analyse, die den Phänotyp (Merkmalsbild, Erscheinungsbild) bestimmen durchgeführt oder entsprechende Forderungen nach solchen kostspieligen Untersuchungen erhoben.

Bei rund 200 Patienten, die an den MCS-Studien I und II teilgenommen haben, wurden Blutproben molekulargenetisch mittels PolymerasekettenreaktionPolymerasekettenreaktion: molekulargenetisches Verfahren, bei dem selektiv bestimmte DNA-Abschnitte amplifiziert (erweitert) werden auf Gene von Enzymen des Fremdstoff-Metabolismus und von immunologischen Parametern untersucht (Universitätsklinikum Göttingen, Abt. für Klinische Pharmakologie). Von diesen Patienten sind daher umfangreiche Datensätze u. a. zu berichteten Symptomen, Befindlichkeitsstörungen und so genannten Triggern, das heißt zu Stoffen, die die Beschwerden bei ihnen auslösen, vorhanden. Im vorgelegten Abschlussbericht werden vorläufige Ergebnisse vorgestellt: Bei der vorgenommenen orientierenden Betrachtung sind keine bedeutsamen Unterschiede in der Häufigkeitsverteilung der untersuchten Polymorphismen zu beobachten.

Eine komplexe statistische Auswertung, bei welcher auch die in den beiden anderen MCS-Studien erhobenen Daten berücksichtigt werden, wird im Rahmen des Projektes „Studie zum Verlauf und zur Prognose des MCS-Syndroms – Erweiterung der Basisstichprobe und Nachuntersuchung (Folgevorhaben)“ vorgenommen (siehe MCS-Studie II).

 

Literaturhinweise

Eis, D., Beckel, T., Birkner, N. et al.: „Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen des MCS-Syndroms bzw. der IEI unter besonderer Berücksichtigung des Beitrages von Umweltchemikalien“. Der Abschlussbericht der Studie Teil I liegt in zwei Bänden vor.

Der Abschlussbericht kann auch über die Bibliothek des Umweltbundesamtes unter der Signatur UBA-FB 000396 ausgeliehen werden. Band 1 (Berichtsband) ist in der UBA-Reihe „WaBoLu-Hefte“ unter der Nr. 02/03 erschienen, das Interessierte beim Zentralen Antwortdienst des UBA, Postfach 33 00 22, 14191 Berlin oder Fax 030-8903-2912 kostenlos anfordern können.

Eis, D.; Mühlinghaus, T., Birkner, N. et al.: „Multizentrische Studie zur Multiplen Chemikalien-Sensitivität (MCS) – Beschreibung und erste Ergebnisse der „RKI-Studie“. Umweltmed. Forsch. Prax. 8 (3) 133-145 (2003)

 

Kontakt

Dr. Dieter Eis
Robert Koch-Institut
FG 22/Umweltmedizin

 

 

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