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Berliner Studie zu umweltbezogenen Erkrankungen

(Laufzeit: Phase I: 01.04.1998 – 31.05.2001; Phase II: 01.11.2002 – 31.12.2004)

Ende der 1990er-Jahre war unklar, in welchem Umfang Personen, die über schadstoffbedingte Symptome klagen und deshalb umweltmedizinische Einrichtungen aufsuchen, tatsächlich Schadstoffen stärker ausgesetzt sind oder waren. Auch war unklar, ob diese Exposition – möglicherweise zusammen mit einer besonderen individuellen Empfindlichkeit – für die berichteten Gesundheitsbeschwerden verantwortlich ist. Unstrittig war hingegen der meist hohe Leidensdruck der betroffenen Personen. Sie waren nach subjektiver und teils auch nach ärztlicher Beurteilung in ihrer gesundheitlichen Lebensqualität erheblich eingeschränkt. Um die Problemlagen dieser Patientinnen und Patienten besser verstehen und die medizinische Betreuung verbessern zu können, wurde das Forschungsprojekt „Berliner Studie zu umweltbezogenen Erkrankungen“ in den Jahren 1998 bis 2004 durchgeführt. Das Forschungsprojekt war in den Erhebungsjahren 2000 und 2003 mit der überregionalen MCS-Verbundstudie (vgl. 6.2) verknüpft.

Das Projekt wurde als ambulanzbasierte Fall-Kontroll-Studie mit 236 Umweltpatientinnen und -patienten und drei klinischen Kontrollgruppen (199 Personen) durchgeführt. Zusätzlich wurde eine Stichprobe aus der Allgemeinbevölkerung (Bundesgesundheitssurvey 1998) zum Vergleich herangezogen. Als Erhebungs- und Untersuchungsinstrumente dienten unter anderem ein umweltmedizinischer Patientenfragebogen, ein Gesundheitsfragebogen (mit psychometrischen Instrumenten) sowie ein labormedizinisches Screeningprogramm, Human-Biomonitoring, ein computergestütztes psychiatrisches Interview und klinische Diagnostik-Verfahren.

Die Studienergebnisse zeigen – mit Ausnahme von seltenen Einzelfällen oder temporären Expositionsereignissen – keine objektiv erhöhte Schadstoffexposition bei Patientinnen und Patienten einer umweltmedizinischen Ambulanz; und das weder in Bezug auf die Ergebnisse der Innenraum-Luftanalytik noch hinsichtlich der Ergebnisse des Human-Biomonitorings. Die umweltmedizinische Gesamteinschätzung lieferte nur bei bis zu 20 % der Patientinnen und Patienten der Umweltambulanzen Anhaltspunkte für präventivmedizinisch relevante Expositionserhöhungen. Das labordiagnostische Screening zeigte keine wesentlichen Unterschiede zu den Kontrollgruppen, und auch im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung waren keine bedeutenden Unterschiede erkennbar.

Ein beachtlicher Teil der Patientinnen und Patienten der Umweltambulanzen wies in den psychometrischen Tests deutliche Auffälligkeiten auf. Insgesamt waren die Umweltpatientinnen und -patienten in ihren Profilen zwischen allgemeinmedizinischen und psychosomatischenauf die Wechselwirkungen und Abhängigkeitsprozesse zwischen Seele und Körper bezogen Patientinnen und Patienten angesiedelt. Entsprechend häufig wurden bei den Patientinnen und Patienten der umweltmedizinischen Ambulanzen psychische Störungen diagnostiziert. Auch zeigte sich, dass die psychischen Leiden meist wesentlich länger bestanden haben als die umweltbezogenen Beschwerden.

Insgesamt sprechen die Ergebnisse der Studie dafür, dass bei Patientinnen und Patienten einer universitären umweltmedizinischen Ambulanz psychosomatische Problemlagen dominieren, während eindeutige Expositions-Effekt-Beziehungen eher die Ausnahme sind.

Kontakt
Robert Koch-Institut
Dr. med. Dieter Eis
D.Eis@rki.de

 

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