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Verfahren zur Ableitung von Höchstgehalten für krebserzeugende Umweltkontaminanten in Lebensmitteln

- Ergebnisse eines Forschungsvorhabens -

Höchstgehalte für Umweltkontaminanten in Lebensmitteln werden in der Europäischen Union durch EG-Verordnungen festgesetzt, die unmittelbar geltendes Recht sind. Daneben gelten für einzelne Kontaminanten bzw. Lebensmittel zusätzlich nationale Regelungen. Darüber hinaus leitet die Kodex Alimentarius Kommission Werte für Höchstgehalte ab, die von der Welthandelsorganisation als internationales Bezugssystem für den Handel mit Lebensmitteln angesehen werden. Für bestimmte krebserzeugende Umweltkontaminanten wie z.B. Arsen sind EU-weite Regulierungen notwendig. Eine eindeutige Methodik liegt hierzu jedoch bislang nicht vor.

Zielsetzung

Ziel des Forschungsvorhabens „Verfahren zur Ableitung von Höchstgehalten für krebserzeugende Umweltkontaminaten in Lebensmitteln“ war es,

Ergebnisse

Weder in der Europäische Union noch im Rahmen der Arbeiten der Kodex Alimentarius Kommission (CAC) existiert eine schriftliche Methodik zur Ableitung von Höchstgehalten für kanzerogene Lebensmittelkontaminanten. Die Ableitung von Höchstgehalten für Kanzerogene in Lebensmitteln ist kaum dokumentiert und deshalb wenig transparent. Als Ergebnis der Analyse bestehender Höchstgehalte für Kanzerogene ergibt sich, dass für Stoffe ohne Schwellenwert bislang meist das ALARA-Prinzip („as low as reasonable achievable“) die Grundlage bildete. Bei einzelnen Festlegungen der CAC, bei der Regelung in der Europäischen Union zu Radionukliden in Lebensmitteln sowie bei Trinkwasserrichtwerten der Weltgesundheitsorganisation fanden auch quantitative Abschätzungen des zu erwartenden Krebsrisikos Anwendung. Bei Stoffen mit angenommenem Schwellenwert erfolgte die Gefährdungsbeurteilung durch Ableitung einer duldbaren Aufnahmemenge (tolerable daily intake, TDI). Ein jüngst verfasster Entwurf für eine Opinion des Wissenschaftlichen Ausschusses der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit schlägt eine Leitlinie zur Berücksichtigung der krebserzeugenden Potenz auf Basis eines „Margin of Exposure“ (MOE) - Ansatzes für gentoxische Kanzerogene vor, der erstmals auch in den aktuellen Risikobewertungen der JECFA (Joint WHO/FAO Expert Committee on Food Additives) für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Ethylcarbamat und Acrylamid angewendet wurde. Anhand dieser Beurteilungen wurden allerdings noch keine Höchstgehalte festgelegt.

Von Seiten der Risikoabschätzung sollten dabei Festlegungen getroffen werden, welche Verfahren zur Gefährdungscharakterisierung verwendet werden (quantitative Krebsrisikoabschätzung oder MOE). Weiterhin sollte festgelegt werden, wie sensitive Gruppen berücksichtigt werden und welche Verfahren alternativ verwendet werden sollten, wenn eine valide Abschätzung des Krebsrisikos oder einer MOE nicht möglich ist. Aufgabe des Risikomanagements ist es zu entscheiden, wie mit Mehrpfadbelastungen umgegangen wird, wie verfahren wird, wenn die vorliegende Belastung das als tolerabel erachtete Risiko überschreitet bzw. die MOE sehr klein wird, und die Diskussion um die Höhe eines tolerablen Risikos bzw. einer tolerablen MOE anzustoßen und zu begleiten.

Dokumentation und Information

Das Forschungsvorhaben (Förderkennzeichen UFOPLAN 704 61 358) mit einer Laufzeit von November 2004 bis Mai 2005 wurde aus dem Umweltforschungsplan des Bundesumweltministeriums gefördert. Es wurde vom Forschungs- und Beratungsinstitut Gefahrstoffe GmbH (Fo-BiG), Freiburg, durchgeführt und fachlich vom Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin, betreut. Der Endbericht zum Forschungsvorhaben ist als PDF-Datei verfügbar.

Das Forschungsvorhaben wurde in Fortführung des Projekts „Verfahren zur Standardsetzung für Höchstgehalte für Umweltkontaminaten in Lebensmitteln“ bearbeitet, welches ebenfalls aus dem Umweltforschungsplan des Bundesumweltministeriums gefördert wurde.

Autoren:
Prof. Dr. Wolfgang Lingk, Bundesinstitut für Risikobewertung
Dr. Ulrike Schuhmacher-Wolz, Dr. Klaus Schneider, Forschungs- und Beratungsinstitut Gefahrstoffe GmbH (FoBiG)
Dr. Christa Solbach, BMU, Referat IG II 5 „Pflanzenschutzmittel, Arzneimittel, Umweltkontaminaten in Lebensmittel“

 

 

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