APUG
HOME: Über diesen Link gelangen Sie wieder zu unserer Startseite
 
Sie sind hier: HOME > Kinder > Projekte > Risikogruppe Kind

Berücksichtigung der Risikogruppe Kind bei der Ableitung gesundheitsbezogener Umweltstandards

(Laufzeit: 02.07.2001 – 30.09.2002)

Unsere Gesellschaft sieht Kinder als besonders schutzbedürftig an, denn die Erwachsenengeneration hat ihnen gegenüber eine besondere Verantwortung. Es werden aber auch wissenschaftliche Gründe für eine besondere Schutzbedürftigkeit oder eine höhere Empfindlichkeit von Kindern im Vergleich zu Erwachsenen diskutiert. Kinder werden daher in der regulatorischen Praxis oft als Risikogruppe betrachtet. Im Allgemeinen werden zur Berücksichtigung empfindlicher Bevölkerungsgruppen, zu denen nicht nur Kinder, sondern zum Beispiel auch Alte und chronisch Kranke gehören können, Extrapolationsfaktoren in einer Höhe von bis zu 10 angewendet. Das heißt, dass beispielsweise für die Festlegung von Grenzwerten der für einen gesunden Erwachsenen abgeleitete Wert durch 10 dividiert wird.

Ziel

Im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit hat das Umweltbundesamt (UBA) die Studie „Berücksichtigung der Risikogruppe Kind bei der Ableitung gesundheitsbezogener Umweltstandards“ beim Forschungs- und Beratungsinstitut Gefahrenstoffe GmbH (FOBiG) in Auftrag gegeben. Dieses hat aus der Literatur Daten zu einer Reihe von Fremdstoffen – in Ermangelung geeigneter Daten zu Umweltchemikalien insbesondere zu Pharmaka – ausgewertet. Ziel war, beobachtete Empfindlichkeitsunterschiede zu quantifizieren und wissenschaftlich belastbare Aussagen zu gewinnen, an Hand derer dann Vorschläge für die Berücksichtigung von Kindern bei der Standardsetzung unterbreitet wurden. Neben Humandaten wurden auch tierexperimentelle Daten ausgewertet.

Ergebnis

Das Projekt beschreibt einige der körperlichen Besonderheiten von Kindern, die hinsichtlich des Verhaltens von Fremdstoffen im Körper (Toxikokinetik) zu beachten sind:

Relevante Empfindlichkeitsunterschiede bezüglich der Wirkung von Fremdstoffen im Zielorgan (Toxikodynamik) sind in den Phasen der intensiven Organentwicklung bei Kindern zu erwarten. Dies betrifft beispielsweise das Nervensystem, das Immunsystem, die Reproduktionsorgane, aber auch den Atemtrakt, Zähne und Knochen.

Neugeborene und Säuglinge sind nach den Ergebnissen des Forschungsprojekts hinsichtlich der inneren Belastung mit Schadstoffen im Vergleich zu Erwachsenen empfindlicher. Hierfür sind hauptsächlich Unterschiede in Aufnahme, Verteilung, Metabolisierung und Ausscheidung von Fremdstoffen ausschlaggebend. Der Schadstoffausscheidung kommt das größte Gewicht zu. Sie war bei Neugeborenen durchschnittlich um den Faktor 2 langsamer. Dies führt zu einer höheren inneren Belastung. Kleinkinder, ältere Kinder und Jugendliche konnten Fremdstoffe jedoch schneller ausscheiden als durchschnittliche Erwachsene.

Art und Ausmaß der toxikokinetischen Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen konnten anhand der vorliegenden Daten für verschiedene Stoffe dargestellt werden. Eine für die Standardsetzung notwendige Verallgemeinerung des Ausmaßes der toxikodynamischen Unterschiede war wegen deren starker - sowohl durch die Stoffe, wie auch durch die organspezifischen Wirkungen bedingten - Variabilität jedoch nicht möglich.

Die mit diesem Projekt vorgelegten Ergebnisse sind für eine verbesserte Berücksichtigung von Kindern bei der Festlegung umweltbezogener Standardsetzungen von Bedeutung. Nach einer ähnlich differenzierten Betrachtung anderer Risikogruppen kann im Rahmen der Weiterentwicklung der Methoden zur Standardsetzung die innerartliche Varianz des Menschen auf Basis empirischer Daten berücksichtigt werden.

Der Bericht (FKZ 201 61 215) kann auch aus der Bibliothek des Umweltbundesamtes, Postfach 33 00 22, 14191 Berlin (Fax: 030/89 03-2154) mit der Bibliotheks-Signatur „UBA-FB 000395“ ausgeliehen werden.

Kontakt

 

Kinder

Weitere Informationen